Der IWF legt frühzeitig einen Finger in Pekings Wunde

(Sorry, but there is no English translation for this article available.)

Die Manager des Internationalen Währungsfonds aus Washington sind vorsichtig im Umgang mit China. Zunächst bescheinigt man dem Land „bemerkenswerte Fortschritte im Übergang zu einem stärker marktorientierten und finanziell soliden System“. Chinas Finanzsektor sei daher aus einer „Position relativer Stärke“ in die globale Finanzkrise eingetreten. Das Schattenkreditwesen sei zwar besorgniserregend. Der Banken-Stresstest signalisiere aber Entwarnung. Die Institute seien in der Lage, große Einbrüche abzufangen, wie man schon während der Krise 2008 beobachten konnte.

Zu Recht sehen die IWF-Analysten nur dann eine Gefahr, wenn etwa gleichzeitig die Immobilienblase platzt, der Wechselkurs plötzlich stark schwankt und die Zinsen dramatisch verändert würden. Ist die IWF-Warnung also übertrieben, gar von westlichen Interessen dominiert, um China zu schaden, wie manche chinesischen Kommentatoren befürchten? Nein. Es ist richtig, dass der IWF nunmehr früh warnt. So wie China hat man auch Europa gerügt. Daran sollten sich Politiker und Banker gewöhnen. Das gilt auch für Peking.

Denn in Washington hat man offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Allzu blauäugig hatten die internationalen Währungshüter in den 2000er-Jahren immer wieder positive Prognosen für die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft veröffentlicht. Fast euphorisch hieß es im Abschlussbericht des IWFTreffens in Dubai im September 2003, das „verbesserte Umfeld der Finanzmärkte“ schaffe „wertvolle Spielräume“ für die Volkswirtschaften der Schwellenländer. Da waren die Weichen für die amerikanische Krise längst gestellt.

Auch für chinesische Politiker und Zentralbanker muss der Hinweis des IWF bedeuten, dass sie sich ins Zeug legen müssen, damit sich regionale Schieflagen, Blasen und Kreditrisiken nicht weiter ausweiten. Allerdings ist die Ausgangslage in China kaum mit den Bedingungen der westlichen Krisen zu vergleichen. Beispiel Immobilien: Dass mancherorts in China überhöhte Preise verlangt und bezahlt werden, steht außer Frage. Es handelt sich aber um eine kurzfristige und vorübergehende Überhitzung. Denn anders als in den USA vor der Subprime-Krise ist die Nachfrage nach den neuen Wohnungen ungebrochen.

Vielleicht wird es Preiskorrekturen geben. Leer stehen und verfallen werden die neu gebauten Apartments aber nicht. Noch immer ziehen in China die Menschen in Massen vom Land in die Städte. Die Wohnungen werden gebraucht. Die Regierung muss allerdings mit sozialen Wohnungsbauprogrammen sicherstellen, dass auch ärmere Menschen bezahlbare Unterkünfte in der Stadt finden können.

Und das tut sie bereits. Das gegenwärtige Programm wird jedoch nicht ausreichen. Bei den Banken ist es ähnlich: Im Zuge seines 460-Milliarden-EuroKonjunkturpakets vom November 2008 wies Peking die staatlichen Banken an, schneller und mehr Kredite zu vergeben. Viele Lokalregierungen nutzten das, umambitionierte Infrastrukturprojekte zu finanzieren.

Ob alle Provinzen das Geld für die vielen neuen Brücken, Tunnel und Staudämme wirklich zurückzahlen können, bleibt fraglich. Aber anders als die Regierungen der USA und Europas ist der chinesische Staat durchaus in der Lage, seinen Provinzen und Kommunen bei Bedarf aus der Patsche zu helfen. Der Staat kann sie locker mit frischemGeld versorgen.

Dennoch: Auch Peking muss nun einsehen, dass es der Stabilität der Weltwirtschaft dient, wenn der IWF frühzeitig die Finger in die Wunde legt und erst Ruhe gibt, wenn Peking tätig geworden ist. So ist das in einer multipolaren Weltordnung.

 

By courtsey of ©Frank Sieren, 2011

Get in touch with Frank Sieren info@sieren.net

 
Valid XHTML