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Chandran Nair ist keiner dieser Asiaten, die den Westen kritisieren und sich selbst für den Nabel der Welt halten. Nair, in Malaysia geborener Sohn indischer Auswanderer, der nun inHongkong lebt, fordert vielmehr die Asiaten auf zu handeln. Nair ist auch kein Sozialist, der das Ende des Kapitalismus fordert: Er will aber nachhaltigenWettbewerb.
Auch das macht ihn zu einem der brillantesten asiatischen Querdenker. Sein erstes Buch ist nun auf Deutsch unter dem Titel „Der große Verbrauch“ erschienen. Der in London ausgebildete Biochemiker machte ein kleines Umweltberatungsunternehmen zum Asien-Marktführer, bevor er 2005 den Think-Tank Global Institute for Tomorrow gründete.
„Da die westlichen Länder sich als unfähig erwiesen haben, die Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten zu übernehmen, sind nun die Asiaten an der Reihe“, konstatiert Nair. Doch wer wird die Asiaten daran hindern, genauso verschwenderisch zu leben wie wir im Westen? Vor allem die Mittelschichten in bevölkerungsreichen Staaten wie China und Indien, antwortet Nair. Sie spüren die Nachteile des Ressourcenraubbaus schon heute viel deutlicher als die Menschen im dünn besiedelten Westen. Sie werden ihre Staaten zwingen, strenge und nachhaltige Spielregeln zu etablieren.
Nur der Staat sei beispielsweise in der Lage, die Finanzindustrie zu zwingen, den Schwerpunkt der Kreditvergabe auf einen umweltschonenden Kapitalismus zu lenken. Und weil es in Asien die stärksten Staaten der Welt gibt, ist Nair davon überzeugt, dass die Asiaten beim dringend nötigen Upgrade des Kapitalismus den Ton angeben werden.
„Wir dürfen am ehesten von China erwarten, dass es in die skizzierte Richtung gehen wird.“ Über Steuern und Subventionen sollen Unternehmer zum Beispiel dazu ermuntert werden, nicht mehr nur solche Maschinen zu entwickeln, die menschliche Arbeitskraft effizienter ersetzen. Stattdessen soll der Schwerpunkt auf den Bau ressourcensparender Maschinen gesetzt werden.
Nair macht sich dabei keine Illusionen: Das Schwierigste sei es, sich von dem Traum zu verabschieden, jeder könne alles haben: „Diese Idee wird man so schnell nicht aus den Köpfen der Menschen löschen können.“ Besonders schwierig wird es bei denjenigen Asiaten, die gerade erst anfangen, alles haben zu wollen. Dennoch entdeckt der Optimist Nair bereits überall kleine Anzeichen des Umdenkens. „Jedes Land in Asien“, fordert Nair, „muss nun seinen individuellen Weg finden, unabhängig davon, was der Westen tut, und auch weitgehend unabhängig davon, was seine Nachbarländer tun.“ Denn Konkurrenz soll auch weiterhin das Geschäft beleben.
„Der große Verbrauch“ ist ein Buch über die neuen Spielregeln des Wettbewerbs, das man gelesen haben sollte. Vor allem diejenigen westlichen Manager, die davon leben, den Asiaten Konsumgüter zu verkaufen.
By courtsey of ©Frank Sieren, 2011
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