Introvertiert und unerfahren: Der jüngste Sohn des verstorbenen Diktators soll Nordkorea führen.

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Kim Jong Un ist der erste nordkoreanische Führer, der Schweizerdeutsch spricht. Auch ein wenig Französisch kann er. Und er war schon mal in der Schweiz. Zwischen 1996 und dem Jahr 2000 besuchte er dort unter falschem Namen die „International School of Berne“. Er weiß also, wie die Welt jenseits Nordkoreas tickt.
Vielleicht wird ihm das helfen, als Nachfolger seines am Samstag (17.12.2011)verstorbenen Vaters Kim Jong Il Nordkorea in eine bessere Zukunft zu führen, es aus der Abriegelung zu lösen, die sein Vater und Großvater dem Volk auferlegten. Wahrscheinlich ist das nicht.Wahrscheinlicher ist, dass Kim Jong Un sich vor allem mit sich selbst und seinen Führungskadern beschäftigen wird. Denn der jüngste Sohn des Diktators ist umstritten. Er gilt als Notlösung.
Lange Zeit wirkte der vermutlich 29-Jährige eher den politischen Alltagsfragen entrückt. Die ehemaligen Lehrer und Mitschüler aus Bern schildern ihn als „introvertiert“. Kim war bemüht, an der Schule nicht aufzufallen. Er gab sich als Sohn eines Fahrers der nordkoreanischen Botschaft aus. Zum Unterricht brachte er einen erheblich älteren „Mitschüler“ mit. Erst später realisierten die Klassenkameraden, dass er Kims Leibwächter war.
Der junge Kim spielte Basketball und war ein Fan von Michael Jordan, so fand er auch unter den amerikanischen Diplomatenkindern Freunde. Schon im Jugendalter verließ der Sohn des Diktators die Schweizer Schule ohne Abschluss, um daheim eine militärische Ausbildung zu beginnen.
Erst seit Sommer 2010 wurde Jong Un als neuer Herrscher Nordkoreas aufgebaut. Bis dahin war er nicht einmal der nordkoreanischen Bevölkerung bekannt. Denn lange galt nicht er, sondern sein ältester Bruder, Kim Jong Nam, als Nordkoreas Nummer zwei. Und das trotz diplomatischer Entgleisungen wie im Jahr 2001, als er bei dem Versuch verhaftet wurde, mit falschem Pass nach Japan zu reisen. 2007 hieß es dann, Kim habe seinen zweiten Sohn, Kim Jong Chol, zum Vizechef einer Führungsabteilung der kommunistischen Partei ernannt. Damit galt er als Nachfolger, obgleich es von Anfang an Zweifel an seiner charakterlichen Eignung gab.
Auch den verstorbenen Kim Jong Il müssen diese Zweifel geplagt haben, sonst hätte er seinen jüngsten Sohn, Kim Jong Un, im September 2010 nicht zum Vize-Vorsitzenden der mächtigen Militärkommission der Kommunistischen Partei berufen. Außerdem wurde er zum Viersterne-General ernannt. Damit war er als Nachfolger eingeführt.
Einen Maßstab für seine Reformfreudigkeit gibt es bereits. Sein Vater hat vor gut einem Jahr in Peking eine Vereinbarung mit den Chinesen unterschrieben, wonach Betriebe mit marktwirtschaftlicher Ausrichtung in den chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen einen größeren Stellenwert bekommen sollen. Wenn Kim Jong Un diese Vereinbarung künftig mit Leben füllt, wäre dies ein deutliches Zeichen für mehr Öffnung.
By courtsey of ©Frank Sieren, 2011
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